Geldanlagen
Höherer Ölpreis: So wirkt er sich auf die Inflation aus
Der gestiegene Ölpreis weckt Sorgen, dass die Inflation wieder deutlich anziehen könnte. VZ-Anlagechef Christoph Sax ordnet die Lage ein und schreibt, was Schweizerinnen und Schweizer zu erwarten haben.
Christoph Sax
Funktion Chief Investment Officer
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1. April 2026
Mit dem Ausbruch des Iran-Kriegs vor vier Wochen ist der Ölpreis stark gestiegen. Er kletterte von rund 70 auf zwischenzeitlich fast 120 Dollar. In Europa hat auch der Gaspreis kräftig angezogen.
Viele Anlegerinnen und Anleger fragen sich deshalb, in welchem Ausmass dieser Anstieg der Energiepreise die Inflation anheizen wird. Erste Anhaltspunkte lieferte nun die europäische Statistikbehörde: Sie veröffentlichte am Dienstag die Vorausschätzungen für die Inflationsraten der Währungsunion im März – die Rate stieg von 1,9 auf 2,5 Prozent.
Die meisten Ökonomen hatten mit einem stärkeren Anstieg gerechnet, dennoch fiel der Sprung mit 0,6 Prozentpunkten markant aus. Der Inflationsanstieg ist dabei in erster Linie auf die höheren Energiepreise zurückzuführen.
Darauf deutet ein Blick auf die Kerninflation hin, welche schwankungsanfällige Komponenten wie Nahrungsmittel und Energieträger ausschliesst: Sie sank von 2,4 auf 2,3 Prozent. Ausserhalb des Energiebereichs blieb der Inflationsdruck folglich moderat. Der Anstieg der Teuerung dürfte somit wesentlich moderater ausfallen als 1973 nach dem Öl-Embargo der arabischen Förderländer gegenüber den USA.
Dafür gibt es drei zentrale Gründe:
Erstens ist die Weltwirtschaft heute wesentlich weniger von Öl abhängig als damals. Industriestaaten wie die Schweiz benötigen noch etwa ein Drittel so viel Öl zur Erbringung derselben Wirtschaftsleistung – dank höherer Energieeffizienz und eines breiteren Energiemix.
Zweitens sind die Industriestaaten heute besser vorbereitet: Viele von ihnen halten strategische Reserven, um Angebots-Schocks abzufedern. Einige Länder – allen voran die USA – haben auch ihre eigene Förderung ausgebaut.
Und drittens ist der Ölpreis wesentlich weniger stark angestiegen wie damals. Er notiert aktuell bei knapp 100 Dollar – ein Plus von 40 Prozent seit Kriegsbeginn. Er befindet sich damit aber noch immer in der historischen Bandbreite.
Zum Vergleich: 1973 vervierfachte sich der Ölpreis. Die Preisreaktion ist diesmal wesentlich moderater. Ein erneuter grosser Teuerungsschub wie während der Pandemie ist somit nicht zu erwarten.
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