Trumps Zolldrohungen schaden auch dem eigenen Land
Europäische Aktien haben seit Jahresbeginn wesentlich besser abgeschnitten als US-Aktien. Gleichzeitig sind die Renditen von US-Staatsanleihen gesunken. Es ist gut möglich, dass die USA mit ihrer Zollpolitik auch ihrer eigenen Wirtschaft schaden werden.

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Trotz den jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten haben die Börsen einen hervorragenden Jahresstart gesehen. Allerdings zeigt sich auch eindrücklich, wie sich die Schere zwischen europäischen und US-amerikanischen Indizes geöffnet hat.
Der Swiss Market Index hat bislang 13 Prozent Gesamtrendite (inkl. Dividenden) sowie neue Allzeithochs erzielt – wie übrigens auch der deutsche DAX. Demgegenüber stehen der S&P 500 und der Nasdaq, die seit Jahresbeginn Verluste verzeichnen (vgl. Grafik).
Das hat auch damit zu tun, dass die Investoren Diversifikation ausserhalb des technologielastigen US-Markts suchen. Seit Ende Januar kommt es im Technologiebereich vermehrt zu Gewinnmitnahmen. In Europa wird die Hausse zudem von Sektoren mitgetragen, die gegenüber Zöllen weniger exponiert sind, wie etwa den Finanzwerten oder den Konsumgüterherstellern.
Auffallend war in den letzten Wochen aber auch, dass die US-Aktienindizes stärker unter den Zolldrohungen aus Washington litten als europäische. Im Wissen, dass hohe Importzölle der US-Wirtschaft grossen Schaden zufügen können, agierten viele Investoren in den USA zurückhaltender. Zölle sind Steuern auf importierte Waren. Die Rechnung bezahlen die Konsumenten in den USA. Ihr verfügbares Einkommen wird geschmälert.
Die amerikanischen Haushalte sind sich dessen durchaus bewusst: Im Februar hat sich die Konsumentenstimmung in den USA deutlich eingetrübt. Das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima fiel auf den niedrigsten Wert seit November 2023. Gleichzeitig sind die langfristigen Inflationserwartungen der US-Verbraucher auf den höchsten Stand seit fast drei Jahrzehnten gestiegen, denn Zölle bedeuten höhere Preise. Auch die US-Einzelhandelsumsätze entwickelten sich zu Jahresbeginn schwach.
Die zunehmenden Konjunkturrisiken für die USA erhöhten die Nachfrage nach Anleihen. Die langfristigen Dollar-Zinsen haben in der Folge merklich nachgegeben. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist von Mitte Januar bis Ende Februar von 4,80 Prozent auf 4,21 Prozent gesunken – den kurzfristigen Inflationsgefahren, die von Zöllen ausgehen, zum Trotz. Hinter dem Rückgang verbirgt sich die Erwartung vieler Anleger, dass sich die US-Konjunktur stark abkühlen wird.
Das wiederum könnte sogar dazu führen, dass die US-Notenbank die Geldpolitik stark lockern muss. Inzwischen erwarten die Märkte wieder drei Zinssenkungen der US-Notenbank bis Ende Jahr, vor kurzem war es nur eine gewesen. Je grösser die Schwächezeichen der US-Wirtschaft werden, desto wahrscheinlicher wird es auch, dass Trump im Zolldisput wieder gemässigtere Töne anschlagen wird.
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In der Eurozone hat sich die Inflation im Februar leicht von 2,5 auf 2,4 Prozent abgeschwächt – vor allem dank eines Basiseffekts. Betrachtet man den Februar alleine, ist das Preisniveau 0,5 Prozent gestiegen und damit mehr als erwartet. Grund dafür waren hauptsächlich höhere Lebensmittelpreise und höhere Preise für Waren. Am Donnerstag dürfte die EZB den Leitzins um weitere 0,25 Prozentpunkte setzen.
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Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie stieg im Februar auf ein Dreimonatshoch von 50,2 Punkten, verglichen mit 49,1 Zählern im Januar. Er lag damit über der Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird. Ökonomen hatten im Schnitt mit 49,9 Punkten gerechnet. Der PMI für den Dienstleistungssektor, der auch das Baugewerbe umfasst, stieg von 50,2 im Januar auf 50,4 Punkte.
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